IWA 2017: Lindnerhof Taktik Plattenträger der 6. und 7. Generation

IWA 2017: Lindnerhof Taktik Plattenträger der 6. und 7. Generation

Dieses Jahr überraschte Lindnerhof Taktik schon kurz vor der IWA mit ihrem Plattenträger der 6. Generation. Bei dieser Generation hat Lindnerhof fast gänzlich auf Klettverschlüsse verzichtet und stattdessen ihre eigens entwickelten Tubes integriert (bereits vorgestellt auf der IWA 2016 im Zusammenhang mit ihrem Plattenträger HL). Wir konnten uns auf der IWA 2017 in Nürnberg den Generation 6 Plattenträger anschauen und euch hier einen ersten Eindruck geben…

Ein neuer Plattenträger von Lindnerhof-Taktik: Neue Technik, neues Design

Direkt ins Auge fallen die Tubes am Cummerbund, welche zum „öffnen“ und „verschließen“ des Plattenträgers da sind. Diese Verschlüsse befinden sind sowohl an den Schultern, als auch an den Seiten und können durch Ziehen an der jeweiligen Reißleine gelöst werden. Der Vorteil hier an den Lindnerhof-Taktik Tubes: Sie sind in jede Richtung lösbar. Das heißt: Nicht nur durch Bewegung nach oben und unten, sondern auch seitwärts. Vergleichbare Tubes lassen sich nur durch Ziehen nach oben und unten öffnen, das kann je nach Situation ein Vorteil oder Nachteil sein. Wir hatten aber generell den Eindruck, dass es einen Vorteil darstellt, da er einfacher und praktischer zu öffnen ist. Ein „versehentliches Öffnen“ soll nicht möglich sein, den Eindruck hatten wir auch.

In gewisser Weise macht es die traditionellen Abwurfsysteme mit ihren Reißleinen, Metallkabeln und Ösen somit obsolet. Denn der Plattenträger ist nach „Abwurf“ in Sekunden wieder zusammensetzbar, was neben vielen weiteren Situationen besonders bei einer Verwundetenversorgung des Trägers extrem vorteilhaft ist. Kleiner Nachteil für diejenigen die vorne seitlich gerne Magazintaschen oder Funkgeräte nutzen: durch die Tubes rückt die Befestigungsmöglichkeit leicht nach hinten. Weiterhin scheinen die Linderhof Tubes für manche, verglichen mit ihrer Inspirationsquelle, den First Spear Tubes subjektiv in Sachen Materialstabilität leicht unterlegen, da sie etwas dünner sind. Jedoch bleibt abzuwarten, ob Langzeiterfahrungen diese Vermutung bestätigen werden, oder ob sich diese als unbegründet herausstellen. Hier sei noch mal erwähnt, dass bei dem damaligen Vergleich zwischen Gen3 und Gen5, der elastische Teil des Cummerbunds auch als mögliche Schwachstelle ausgemacht wurde – was sich bis heute, nach unserem Wissenstand, nicht bewahrheitet hat.

Das neue, leichte und sehr robuste Hybridlaminat dient als Grundstoff

Bei der Materialzusammensetzung greift Lindnerhof sowohl auf ihr Hybrid Laminat, als auch auf das altbewährte Cordura 500 zurück. Optisch erinnert der Träger an eine Mischung aus dem Crye AVS (Adaptive Vest System) und dem Crye JPC (Jumpable Platecarrier). Denn auch der Gen. 6 kommt standardmäßig mit einem Skelett-Cummerbund, wie man ihn vom JPC kennt.
Die Plattentaschen hingegen lehnen sich optisch an einer simplifizierten AVS Plattentasche an. Bei der Unterbringung der Ballistik wird auf das Konzept des Gen. 3 Plattenträgers zurückgegriffen, bei dem Platten und Weichballistik in einem einzigen Fach untergebracht wurden.
Außerdem sehr gut gelöst: Der Bergegriff. Er sitzt nun direkt oben auf dem Plattenfach, was bedeutet, dass eine Reihe MOLLE / PALS mehr zur Verfügung steht. So sitzt nun auch ein 2L Wasserblasenträger oben bündig auf und endet unten, ohne herauszustehen.

Lindnerhof Taktik hat hier an weiteren nützlichen Features gearbeitet und praktisch umgesetzt

Auf der oberen Seite bietet der Plattenträger, ähnlich wie beim JPC, nun praktischerweise ebenfalls ein kleines, per Klett zu öffnendes Fach für Schreibmaterial, Pistolenmagazine, oder Ähnliches. Zusätzlich sind am Generation 6. mehrere Kabelführungen aus Klett angebracht, welche das organisieren von Kabelage oder Wasserschläuchen erleichtert. Außerdem ist die vordere „Front-Flap“ (die Klappe welche vorne den Cummerbund verschließt) jetzt obsolet. Denn der Träger kommt vorne komplett mit Molle-Reihen welche auf Höhe des Cummerbunds mit Klettflausch versehen sind. So ist die Nutzung eines Cummerbunds nicht ganz ausgeschlossen und es könnte eine zusätzliche Klappe mit dem gewünschten Taschen-Setup angebracht werden. Am einfachsten: Man lässt den Plattenträger so, wie er ist und bringt die Taschen direkt vorne an.

Wer allerdings denkt, Linderhof beließe es bei der 6. Generation, der täuscht sich. Denn parallel existiert bereits eine 7. Generation. Diese ist speziell für den Einsatz in maritimen Umfeld konzipiert und könnte so auch ein Floatation-System enthalten. Dies erzeugt mithilfe von CO² Kapseln bei Bedarf genug Auftrieb, dass der Träger trotz Ballistik und Beladung schwimmfähig ist. Weiter wären neue Taschenkonzepte denkbar, wie eine einklettbare Tasche für Funkgeräte, nach dem Vorbild der Crye Precision JPC MBITR Pouch. Der Plattenträger der 7. Gen. wurde nicht öffentlich ausgestellt, da er ausschließlich Behörden vorbehalten ist.

  • Rückseite mit Kordelzug
  • Die Innenseite
  • Der Cummerbund

Die Rückseite bietet nun einen Kordelzug ähnlich dem des JPC, jedoch dient er nicht nur dazu um den Skelett-Cummerbund zu fixieren, sondern auch um ihn schnell in der Länge zu verstellen.

Auf der Innenseite sind wieder Klett-Flächen zu finden, die das anbringen von Polstern ermöglichen. Hier beim Generation 6 aber nicht nur am Rücken, sondern auch vorne auf der Brustseite.

Hier der Skelett-Cummerbund und die daran angebrachten Hybridlaminat Taschen.

Fazit

An sich bringt Lindnerhof mit dem Gen. 6 einen sehr durchdachten Plattenträger auf den Markt, der viele sinnvolle Funktionen in einem minimalistischen Paket zusammenführt. Qualität, Verarbeitung und das verwendete Material wirken wie immer sehr hochwertig. Preislich wird der Gen. 6 sich wieder im Bereich der Vorgänger bewegen, also zwischen 300€ – 400€.

Kritiker erwähnen immer wieder, dass viele Ideen und Konzepte woanders abgeschaut oder aus Inspiration entstanden sind. Jedoch muss man sich dabei auch fragen: Was ist die Alternative? Regulär, ohne Ausnahmen kostet ein günstiger Plattenträger von Crye Precision oder First-Spear mit Steuern, Abgaben und Versand aus den Vereinigten Staaten locker über 500€. Die Top-Modelle sicher mehr als 1.500 €. Und: Wie oft hat man Gefallen an Features von Plattenträgern der Herstellers A sowie B und hätte alle Features gerne in einem. Hier wird Lindnerhof-Taktik der stetig steigenden Nachfrage gerecht und investiert nicht zuletzt selbst viel Arbeit und Zeit in Entwicklung und Innovation, wie man am Hybridlaminat, den Tubes oder den Multikaliber-Magazintaschen sehen kann.

Weiter ist immer wieder der Satz: „Hybridlaminat? Das ist doch viel zu schwach, das reißt doch! Ich vertraue lieber weiter dem guten alten Cordura“ zu hören. Wir haben mit einer Texitil-IngeniereurIn gesprochen und Ihr verschiedene Fragen zum Hybridlaminat (folgend abgekürzt „HL“) gestellt. So sind z.B. 500 kg Last nötig, um HL reißen zu lassen. Zusammengefasst: HL steht technisch gesehen Cordura in nichts nach und bietet Anwendungsbezogen gesehen aber sehr viele Vorteile und die Möglichkeit ganz neuer Lösungen.



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